Gedanken zum Minimalismus und warum einfach leben gar nicht so einfach ist

Ich befasse mich ja schon sehr lange mit dem Thema Minimalismus. Mittlerweile ist das Thema ja in aller Munde und irgendwie bekommt man schon das Gefühl, dass wenn man nicht zumindest eine Sache minimalistisch macht, aus dem Trend zu sein. Doch nach einem Trend zu streben war von Anfang an nicht meine Intension.

Als ich 2013 nach Australien reiste, hatte ich einen 13 Kilo schweren Rucksack dabei, aus dem ich die nächsten 10 Monate lebte. Als ich nach meiner Reise vor meinem Kleiderschrank und meinen Habschaften in Kisten verpackt stand, war ich erstmal überfordert. Wer braucht so viel Zeug? 2014 hat also mein Umdenken und auch mein Handeln in Richtung Minimalismus begonnen.

Die Tage habe ich gelesen, dass ein Mensch im Duchschnitt 10.000 Sachen besitzt. Ich bin fast vom Sessel gefallen. 10.000 Sachen, was zur Hölle? Möchte ich mich wirklich mit so vielen Dingen belasten? Mir die Wohnung zumüllen, keinen Platz mehr haben, um klar zu denken. Nein, ich möchte das nicht. Ich habe nicht gezählt wie viele meiner Dinge seit 2014 den Besitzer gewechselt haben, ist auch egal. Klar ist, es sind einige und es werden immer mehr. Denn seitdem habe ich nicht mehr damit aufgehört, immer wieder mein Hab und Gut durchzuschauen. Was brauche ich davon von wirklich, was liegt mir am Herzen und ohne was kann ich nicht leben.

Askese, Minimalismus und Authentizität

Doch geht es beim Einfach leben nicht nur um den Minimalismus. Wenn man die Philosophie befragt geht es nicht nur um den Minimalismus der Dinge, es geht auch darum authentisch zu sein und in Askese zu leben. Diese drei Dinge bestimmen somit die Leichtigkeit des Seins. Und wenn ich genau darüber nachdenke, stimmt das vollkommen. Wie bei allem kommt es auch hier auf das Maß der Dinge an. Natürlich sollen wir nicht in vollkommener Askese leben, das würde aus meiner Sicht absolut keinen Sinn machen. Vielmehr verstehe ich darunter, sich nicht alles im Übermaß zu genehmigen, mehr zu genießen, zum Beispiel beim Essen. In meinem Fall wären das zum Beispiel Süßigkeiten. Muss ich mir wirklich jeden Tag so viel reinstopfen oder wäre es nicht besser, sowohl körperlich als auch seelisch, an manchen Tagen darauf zu verzichten und dafür an Anderen dann wieder zu genießen?

Wenn wir authentisch leben, werden wir automatisch Minimalismus erfahren und zwar bei den Menschen, mit denen wir Zeit verbringen. Denn sind wir doch mal ehrlich, wer kann sich erinnern, wann er sich das letzte Mal so richtig authentisch verhalten hat? Also wirklich so richtig? Wir haben gelernt uns anzupassen, teilweise andere Meinungen über die Unsere zu stellen, nett zu Menschen zu sein und viele Freundschaften zu pflegen. Doch ist das wirklich gesund und nötig? Wäre es nicht viel schöner, nur von wenigen Menschen umgeben zu sein, bei denen wir wirklich so sein können, wie wir sind? Mir ist durchaus bewusst, dass ich mich hier auf dünnes Eis begebe. Denn Dinge loszuwerden ist letztendlich ziemlich einfach. Sich aber zu fragen, welche Menschen möchte ich als Teil meinens Leben behalten und welche nicht, da wird es schon haarig. Vor allem weil wir uns diese Frage auch immer wieder stellen müssen.

Oft tun uns manche Freundschaften nicht gut

Auch hier habe ich schon vor Jahren gemerkt, dass mir Freundschaften, die auf Einseitigkeit beruhen, einfach nicht gut tun und mir Energie rauben, die ich eigentlich behalten möchte. Deshalb bin ich mittlerweile auch hier sehr konsequent und achte gut darauf, wem ich meine Zeit schenke und wem nicht. Denn letztendlich geben wir in Freundschaften nicht nur uns, sondern auch unsere Zeit an Andere weiter. Am Besten merken wir sowieso wer die wahren Freunde sind, wenn wir uns einfach genau so verhalten, wie wir sind. Ohne Maske, ohne Rücksicht auf Verluste. Es ist nicht wichtig, dass wir bei wahren Freunden, dass sagen was sie hören wollen, sondern dass was wir denken. Erst dann merken wir, wer unsere wahren Freunde sind. Wenn sie noch da sind: Wenn wir einfach nur wir sind!

Wenn wir über Minimalismus reden, sollten wir wirklich immer diese drei Bereich beleuchten: Minimlismus, Askese und Authentizität. Denn irgendwie hängen sie alle zusammen. Nur in Gänze betrachtet kommen wir da hin, wo wir hinwollen, zu einem einfacheren Leben. Und wer denkt, dass ein einfaches Leben ganz einfach umgesetzt ist, der liegt falsch. Am Anfang bedeutet es harte Arbeit, wir müssen mit uns hart ins Gericht gehen, Entscheidungen treffen, die vielleicht schmerzhaft sind und immer wieder über unseren Schatten springen. Jetzt fragt ihr euch, warum soll ich den ganzen Mist dann überhaupt machen?

Ganz einfach, weil es sich lohnt. Wobei ich auch der Meinung bin, nur weil jeder im Moment davon spricht, muss es nicht jeder machen. Wir sollten für uns das Gefühl haben, dass es nötig ist, sonst macht es keinen Sinn.

Jeder muss seinen Minimalismus finden oder auch nicht

Ich fühle mich von zu vielen Sachen mittlerweile nur noch eingeengt. Wenn ich zu viele Kleider im Kleiderschrank habe, verbrauche ich zu viel Zeit, um zu entscheiden, was ich anziehen will. Zu viel Deko kostet mich beim Putzen zu viel Zeit mit Wegräumen, wieder hinstellen und abstauben. Schränke voller Dinge, die ich schon ewig nicht mehr gebraucht habe, machen mich nervös. Platz hingegen, sowohl im Schrank als auch in der Wohnung machen mich freier.
Menschen, bei denen ich immer wieder das Gefühl habe, mich für meine Gedanken, meine Gefühle rechtfertigen zu müssen, tun mir nicht gut. Sie schüren das Feuer der Unsicherheit in mir und das ist etwas, was ich gerade so gar nicht brauchen kann. Menschen bei denen ich nur oberflächlich sein darf, rauben mir mein ich. Warum sollte ich also an solchen Menschen festhalten?

Und hier schlagen meine Gedanken den Bogen von Minimalismus hin zur Selbstfindung. Wer einfach leben will, muss wissen was er will und noch wichtiger, wer er ist. Das Eine geht also nicht ohne das Andere. Ich finde die Themen einfach schon von Grund auf so spannend, dass ich dran bleiben will. Immer tiefer in den Menschen, der ich eigentlich bin eintauchen und immer weniger von dem haben, was ich nicht bin. Ein einfacher Mensch bin ich sicherlich nicht, aber um einfach zu leben muss man das auch nicht unbedingt sein 😉

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