Da mich dieses Thema die letzten Tage fast schon zu verfolgen scheint, wird es wohl Zeit etwas darüber zu schreiben. Die gute alte Neugierde. Davon habe ich wohl ziemlich viel abbekommen. Erst vor Kurzem hat eine Kollegin zu mir gesagt, dass ich sehr neugierig und in meiner Neugier auch sehr kindlich bin. Natürlich habe ich mich kurz  vor den Kopf gestoßen gefühlt, um dann aber auch schon im nächsten Moment zu fragen: Warum? Das Beispiel was sie nannte, war für mich dann auch sehr einleuchtend. Wir hatten über ein Thema gesprochen, was mich sehr interessiert hat. Da ich nicht warten wollte, habe ich beim auf den Zug rennen, mit Kaffee in der Hand tausend Fragen gestellt. Die erhaltenen Antworten noch im Rennen mit gebührend viel Emotion unterlegt. Somit ging das für mich auch klar, also die Aussage, dass ich neugierig bin.

Ich muss wirklich immer alles wissen

Es stimmt auch einfach. Selbst in den unmöglichsten Situationen kann ich mich nicht beherrschen und muss fragen, wenn mich etwas interessiert. Wenn ich etwas toll finde, dann kann ich mich freuen wie ein kleines Kind. Und genauso beleidigt sein, wenn mir was gegen den Strich geht. Natürlich war meine Kollegin nicht die Erste, die sich zu dieser Aussagen hatte hinreisen lassen. Manchmal habe ich es auch tatsächlich als negativ aufgefasst. Meistens aber doch positiv und als eine wertvolle Eigenschaft. Grundsätzlich finde ich erstmal vieles sehr interessant, kann mich leicht für Sachen begeistern. Wenn ein Thema mein Interesse geweckt hat, muss ich meinen Wissensdurst auch stillen, sonst werde ich noch hummeliger (damit meine ich Hummeln im Arsch zu haben)  als ich sowieso schon bin.

Bleib einfach neugierig

In der aktuellen Flow habe ich die Tage einen Artikel über genau diese gelesen. Die Neuigierde und wie gut es ist, neugierig zu sein. Die gehen da sogar so weit in ihrer Aussage, dass wenn man offen durchs Leben geht, man mehr erlebt und das Leben viel interessanter wird. Und ja, ich kann dem eigentlich nur zustimmen. Ich hatte Zeiten da war ich weniger neugierig, die Umstände haben es einfach nicht so zugelassen. Wenn ich heute daran zurückdenke, war mein Leben damals wirklich nicht so super spannend. Jetzt könnte man meinen, dass man um neugierig zu sein Zeit braucht, damit liegt man aber völlig falsch. Neugierig kann man immer sein, sogar so oft, dass es seinem Umfeld manchmal schon auf den Senkel geht. Nun gut, einen Tod muss man sterben. Auch wenn einem Neugier im Bezug auf Menschen oft wirklich negativ ausgelegt wird, kann man manchmal auch einfach nur von wahrem Interesse an der Person sprechen. Ich interessiere mich sehr für Menschen, die Menschen in meinem Umfeld oder auch Menschen, die ich gar nicht kenne. Und da ich wirklich sehr an den Personen interessiert bin, stelle ich viele Fragen. Oftmals mit dem Zusatz „Falls die Frage zu persönlich ist, muss sie nicht beantwortet werden.“ Ich finde es manchmal sehr schade, dass mir das als negative Eigenschaft ausgelegt wird. Menschen sollten sich wieder viel mehr füreinander interessieren.

Genau hinschauen, auch bei Menschen, die man nicht so mag

Interesse an Menschen, die man nicht so leiden kann, kann beispielsweise sehr hilfreich sein. Stellt man diesen Menschen Fragen, kann man am Ende vielleicht viel besser verstehen, warum sie sich so doof verhalten. Auch wenn das nicht immer leicht ist, so hilft es doch einem Selbst und meist auch der anderen Person. Wo kämen wir denn bitteschön hin, wenn wir uns keine Fragen mehr stellen würden? Oftmals findet man heraus, dass der Andere genau dieselben Probleme hat oder den gleichen Musikgeschmack. Und zack, schon verbindet einen etwas miteinander.

Grenzen überschreiten

Neugierig sein heißt auch oft eine Grenze zu überschreiten. Neues auszuprobieren, dass einem am Anfang vielleicht nicht ganz so geheuer ist. Ich für meinen Teil habe eine große Grenze überschritten, als ich damals meine Sachen gepackt und nach München gezogen bin. 28 Jahre habe ich in der selben Stadt gewohnt, im selben Haus, nur die Stockwerke wurden gewechselt. Es war Zeit für etwas Neues. In einem noch extremeren Ausmaß habe ich es dann gemacht, als ich meine Zelte in Deutschland abgebrochen habe und für 10 Monate nach Australien gegangen bin. Meine Herrn, ich kann euch sagen, damals habe ich mich manchmal selbst für diesen Schritt bewundert, so mutig! Beides mal bin ich über meine Grenzen gegangen, weil ich neugierig war, Neues sehen und erleben wollte. Beides mal habe ich genau das Richtige getan. Meine Neugier hat mich dermaßen bereichert, das hätte ich damals auch nie gedacht.

Es müssen nicht immer große Sachen sein

Natürlich sind das Extrembeispiele. Man kann auch einfach mit kleinen Sachen anfangen:

  • Mehr Fragen stellen: Egal um was es geht, wer einem gegenübersitzt oder wo man gerade ist. Einfach fragen. Und wenn man andere Menschen etwas aus wirklichem Interesse fragt, bekommt man meistens eher ein sehr glückliches Lächeln zurück, als eine dumme Abfuhr.
  • Interesse vertiefen und Wissen aneignen: Wenn man sich für ein Thema interessiert, muss man nicht nur im Internet darüber lesen. Man kann auch Bücher dazu wälzen, Dokus anschauen oder andere Menschen dazu befragen. Und wer weiß, manchmal kommt man vom einen interessanten Thema automatisch zum Nächsten.
  • Keine Angst haben, Mut aufbringen: Natürlich kann es passieren, dass wenn man Neues ausprobiert, dass man scheitert, es nicht so läuft wie man es sich vorstellt. Aber das ist nicht schlimm. Nicht alles muss funktionieren. Das Wichtigste an der Sache ist, dass man sich am Ende für den aufgebrachten Mut beglückwünschen kann. Und meist zieht man aus solchen Erfahrungen viel mehr Weisheit, als aus Erlebnissen, die glatt laufen.
  • Auf Kleinigkeiten achten: Nicht immer nur das große Ganze sehen, sondern auch auf Kleinigkeiten achten. Das Buch nicht nur lesen, sondern genau das Titelbild begutachten. An der Kasse andere Menschen beobachten, welches System sie beim Artikel auf das Band legen haben. Das Essen ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen und nicht auf einmal hinunterschlingen.
Und der letzte Tipp von mir, wo man das Thema Neugier nochmals ganz besonders kennenlernt:

Mit Kindern. Egal ob man Eigene hat oder eben die nimmt, die gerade verfügbar sind. Kinder sind neugierig und zwar immer, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Es ist großartig zu sehen, wie sie sich für die kleinen Dinge im Leben interessieren und sich daran erfreuen können. Ein ganz aktuelles Beispiel aus meinem Alltag: Wir haben gerade 2 Hausfliegen. Mir gehen sie schon mega auf den Zeiger, Junior findet sie klasse. Da sie nicht mehr die Schnellsten sind, steckt er seine Nase immer ganz genau hin, rennt ihnen in der Bude hinterher und freut sich seines Lebens. Das „nur“ wegen zwei Mücken.