Vor einer Weile habe ich mich mal wieder in die Tiefen eines Buchladens begeben. Natürlich habe ich nichts Spezielles gesucht, aber wie immer in einem Buchladen ganz viel gefunden. Eines der Bücher, die mir sofort ins Auge gestochen sind, war „Neuland“ von Ildikó von Kürthy. Nicht unbedingt wegen dem Cover, was by the way auch ganz hübsch ist, mehr wegen dem Untertitel: „Wie ich mich selbst suchte und jemand ganz anderen fand.“ Noch jemand, der auf der Suche nach sich selbst ist. Ich befinde mich, wenn man es genau nimmt, auch schon mein ganzes Leben auf der Suche. Mal suche ich das Ungewisse in der Ferne, die Mitte in mir, Wege um achtsamer zu leben, nach dem Sinn von vielem, einer guten Serie zum Anschauen, einem neuen Kuchenrezept zum Ausprobieren oder einer Aufgabe, die mich komplett erfüllt. Alles suche ich jedoch immer mit dem selben Ziel: noch mehr von mir zu finden.

„Kommt da noch was, oder war es das jetzt?“

Diese Frage stelle ich mir ehrlich gesagt noch nicht ganz so oft, es liegen ja doch ein paar Jährchen zwischen Ildikó und mir. Aber der nächste Satz hat mir die Kaufentscheidung dann abgenommen: „Das Begleitbuch für alle, die Sehnsucht haben, aber nicht genau wissen, wonach.“ Nach „Unter dem Herzen. Ansichten einer neugeborenen Mutter. “ ist das also das zweites Buch von ihr, dass ich mir zu Gemüte führe.  Meine Erwartungen wurden zwar nicht komplett erfüllt, ich hatte natürlich sehr hohe bei dem Titel, dennoch ist es ein Buch, das es sich auf jeden Fall zu lesen lohnt.

Ildikó erzählt, wie sie sich an Silvester vornimmt, ein Jahr anders zu leben als bisher: gesünder, glutenfrei, fitter, blond, faltenfrei, mit innerem Frieden, ohne Alkohol und Zigaretten. Ein ziemliches Vorhaben für nur 1 Jahr. Aber wer bitteschön kennt das Gefühl nicht, besser leben zu wollen, mit dem Ziel sich am Ende wohler zu fühlen und mehr selbst zu sein.

Detox, Glutenfrei und vieles mehr

Lebhaft beschreibt sie ihre einzelnen Stationen zum Ziel: Detox auf dem Lanserhof, Basiskurs Wildnisleben, Urlaub im Kinderhotel, tausend Euro schwere Extensions, Meditation auf dem Badezimmerboden, den Gang über den roten Teppich,  Qualen, Selbstdisziplin und die Erkenntnis:

Nicht alles im Leben muss gesund, schlank und blond sein. Hauptsache man ist glücklich

Waltraud Posch schreibt in „Projekt Körper:  Die sogenannte Creme der Gesellschaft ist heute nicht immer, aber tendenziell fit, schlank und attraktiv. Mit anderen Worten: Die Elite des beginnenden 21. Jahrhunderts oder wer zu ihr gehören will, ist tendenziell schön. Heute ist ein dicker Bauch Ausdruck falschen Konsumverhaltens, falscher Lebensweise, falscher Entscheidungen, mangelnder Kontrollfähigkeit und damit mangelnder Managementfähigkeit. Schlanksein steht demnach nur allzu schnell für Wendigkeit, Fleiß und Flexibilität.“ Dass sowas auch mit Genen und oftmals Umständen wie einer Schwangerschaft zu tun hat, wird heutzutage oft ausgeblendet. Ildikó, ich hoffe du wirst mir verzeihen, dass ich dich ganz frech duze, schreibt nicht nur, sie zitiert auch viel. Und genau das finde ich an dem Buch auch so toll. Mit sehr vielen Zitaten konnte ich was anfangen, mich wieder finden, meine Gedanken im Kopf neu sortieren und bearbeiten.

Viele unserer Wünsche und Handlungen sind von außen getrieben. So  wie ihr Wunsch blond zu sein. Wir machen so oft, was von Anderen, den Medien oder von wem auch immer als non plus ultra suggeriert wird. Und dabei geht es doch um so viel mehr im Leben.  Auch in der Liebe ist das so. Alles muss romantisch sein, makellos, zwei Kinder, Haus und ein perfekter Ehemann. Doch auch hier gilt es andere Wege zu gehen: „Sie wollen verheiratet blieben? Dann hören Sie auf, Ihren Partner ändern zu wollen. Pfeifen Sie auf das Glück. Glück ist Zufall. Nehmen Sie sich selbst und Ihre Ehe nicht allzu ernst und haben Sie den Mut, Vorstellungen und Sehnsüchte aufzugeben, die Sie nicht verwirklichen können.“

Fazit zum Buch „Neuland“

Ich bin durch das Buch und den Selbstversuch von Ildikó mal wieder zu dem Schluss gekommen: Man muss im Leben vieles ausprobieren, um am Ende bei sich selbst anzukommen. Dieser Prozess hört nie auf. Manchmal muss man Dinge tun, von denen man denkt, weil sie einem ein Leben lang eingetrichtert werden, dass sie richtig und gut sind. Um dann am Ende aber festzustellen, dass es einfach keine Dinge sind, die einem selbst gut tun. Nicht jeder muss blond und schlank sein, um sich glücklich zu fühlen. Man muss nicht ständig auf Diät sein und tausende von Euros ausgeben, um schlank und schön zu sein. Man muss seinen Körper so akzeptieren, wie er ist. Mal mehr, mal weniger. Man braucht Mut, um Veränderungen zu starten. Man braucht aber auch die Einsicht, dass Veränderungen am Ende genau da aufhören, wo sie angefangen haben: Bei sich selbst!

Danke Ildiko´von Kürthy für dieses Buch und meine wiedergefunde Erkenntnis! Jedem der auch auf der Suche ist, war oder sein wird, kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Es schärft die Sichtweisen auf Vieles enorm.

Daten: Neuland. Wie ich mich selber suchte und jemand ganz anderen fand. Wunderlich, Reinbek 2015, ISBN 978-3-8052-5086-3.