Erst gestern habe ich wieder ein Artikel über die Mediennutzung bei Kleinkindern und Kindern von einer anderen Mutter gelesen. Die Meinungen im Netz hierzu sind relativ deutlich, Medien für Kleinkinder geht gar nicht. Manche berichten sogar von Studien, in denen Kinder, die Medien nutzen, später Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen haben. Was mich daran so stört ist, dass nie von konkreten Zahlen gesprochen wird, also wann treten diese Probleme auf, nach 30 Minuten Fernsehen pro Tag oder nach 6 Stunden Fernsehen pro Tag!? Vielleicht aber habe ich diese Zahlen auch noch nicht gefunden, kann auch sein. Mir geht es in meinem heutigen Beitrag auch nicht darum, über die Mediennutzungen von Kindern zu schreiben, viel mehr geht es mir darum, was heute alles erlaubt und was nicht erlaubt ist in der Erziehung von Kindern.

Saft, Süßigkeiten, Fernsehen, Verbote

Gerade hier im Netz sind die Debatten groß, wie man sein Kind erziehen soll. Ab wann es Süßigkeiten essen darf, wie viel davon erlaubt ist, ab wann man Sandmännchen schauen darf, in die Kita gehen, mit anderen Kindern spielen, der Schnuller weg muss und wann man zu Bett zu gehen hat. Alles Dinge, die Eltern gefühlt heute nicht mehr selbst entscheiden dürfen, da Studien und die Öffentlichkeit es für einen entscheiden. Ganz groß auch die Frage, ab wann muss man laufen und reden können. Wie oft habe ich in der Vergangenheit die Fragen gehört: Und kann deiner schon laufen? Immer mit dem Nachsatz belegt, mein Kind kann das schon.

Der Druck ist groß, nicht nur für Eltern auch für Kinder

Ich fühle mich oft von diesen Sachen unter Druck gesetzt. Manchmal sogar als schlechte Mutter, da ich meinem Kind Dinge erlaube, die, wenn man sich so umhört, gar nicht gut sind. Oder man direkt dafür verurteilt wird, ohne auch nur die Hintergründe zu kennen. Ich finde ein großer Teil davon, wie man sein Kind erziehen möchte, wird dadurch entschieden wie man selbst aufgewachsen ist, was man im Leben erlebt hat, was man für eine Einstellung zum Leben hat und vor allem und meiner Meinung nach der wichtigste Punkt: Das Bauchgefühl! Natürlich gibt es auch Sachen, bei denen der Verstand entscheiden muss, das hat mit Gefühl oder Einstellung nichts zu tun. Genau dann, wenn es um Sachen geht, die für Kinder lebensgefährlich sind, siehe mein Beitrag zur veganen Ernähung bei Kindern.

Die Mischung machts

Mir will manchmal nicht in den Kopf, wie man bestimmte Dinge so verurteilen kann. Zum Beispiel Zucker in der Ernährung von Kindern. Oder eben auch Fernseh schauen. Bei den ganzen Sachen kommt es doch eigentlich immer auf das Selbe an, das Maß der Dinge. Natürlich ist es nicht gut, wenn Kinder sich ausschließlich von Süßigkeiten ernähren oder 4 Stunden am Tag vor der Glotze hängen. Was aber spricht dagegen, wenn es nach dem Essen manchmal einen Nachtisch gibt? Oder die Kinder im Sommer zwischendrin auch mal ein Eis essen dürfen. Oder man mit Mama und Papa zusammen auf dem Sofa 20 Minuten Kindermusikvideos schaut, dazu singt und tanzt? Nichts, absolut gar nichts, meiner Meinung nach.

Meistens entscheiden die Kinder sich dann sowieso automatisch dazu, etwas zu spielen und greifen ganz natürlich zum Obstteller, den man ihnen bereitstellt. So ist es zumindest bei uns. Junior liebt Obst und Gemüse und kann davon auch Mengen verhaften. Genauso möchte er ab und an aber auch mal einen Keks oder ein Eis essen. Ist doch logisch, Mama und Papa machen das ja schließlich auch. Warum sollte ich meinem Kind also etwas verbieten, was ich selber auch mache?

Verbote führen nur dazu, dass Kinder es irgendwann heimlich machen

Ich versuche meinem Sohn vieles zu bieten, ihm alle Facetten des Lebens zu zeigen. Man merkt sehr schnell, was seinem Kind gut tut und was es ablehnt. Kinder können nämlich schon sehr gut selbst entscheiden, was für sie gut ist und was nicht. Und das auch schon mit knapp 2 Jahren. Wichtig ist, dass man Vertrauen in sein Kind und sich selbst hat. Natürlich muss es Grenzen und auch mal das ein oder andere Verbot geben. Viel besser ist aber, seinem Kind sehr viel zu zeigen und erklären, damit es selbst lernen kann.

Wichtig bei allem was man mit seinem Kind macht, ist das Reden. Wir müssen unseren Kindern erklären, ruhig und in verständlichen Worten, warum es nicht gut ist, sich nur von Süßigkeiten zu ernähren. Warum man nicht den ganzen Tag vor der Glotzen abhängen sollte. Man muss ihnen zeigen, dass das Leben viele Facetten hat. Der Garten sich super zum Spielen eignet, immer wieder neue Möglichkeiten schaffen, womit sie spielen können, die Vielfalt der Nahrungsmittel darlegen. Meistens bedarf es gar nicht viel, dass Kinder merken, dass spielen mit Lego viel spannender ist oder eine Banane genauso gut schmeckt, wie ein Eis.

Es ist ganz einfach, man muss sich nur Zeit nehmen

Zugegeben, ich habe einiges auch anders gesehen, als ich noch keine Mutter war. Vieles nimmt man sich vor und es kommt dann doch anders. Ich war auch gut darin, Eltern erstmal in eine Schublade zu stecken ohne irgendwelche Hintergründe zu kennen. Heute weiß ich es besser. Für vieles gibt es Gründe, auch in der Erziehung. Deshalb erstmal fragen, bevor Schubladen aufgemacht werden.

Wieso überlassen wir es also nicht den Eltern, ihre Kinder so zu erziehen, wie sie es für richtig halten und mischen uns erst dann ein, wenn Grenzen überschritten werden, wenn es gefährlich wird für Kinder. Anders gefragt: Warum unterstützen wir uns nicht gegenseitig, lernen voneinander und verurteilen uns nicht für unseren Erziehungsstil? Wäre doch viel besser, nicht wahr?