„Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer. “

„Ärzte kommen aus entfernten Städten, nur um mich zu sehen, sie stehen an meinem Bett und glauben nicht, was sie sehen. Sie sagen, ich muss eins dieser Wunder Gottes Schöpfung sein, und soweit sie sehen, können sie keine Erklärung geben“, Natalie Merchant

Klappentext Wunder

August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Via in New York. August ist schlagfertig, witzig und sensibel. Eigentlich könnte also alles ganz normal sein in seinem Leben. Doch eins trennt August von seinen Altersgenossen: Sein Gesicht ist entstellt, und unzählige Operationen hat er schon über sich ergehen lassen müssen. Das ist auch der Grund, warum er noch nie auf einer öffentlichen Schule war und bisher zu Hause unterrichtet wurde. Das neue Jahr aber soll alles ändern. August wird in die fünfte Klasse der Bezirksschule gehen, und natürlich hat er Angst. Angst davor, angestarrt und ausgegrenzt zu werden. Doch August wäre nicht August, würde er nicht auch diese Herausforderung mit Bravour meistern!

Geburtstagsgeschenk

Dieses wundervolle Buch habe ich letztes Jahr von meiner lieben Freundin aus München zum Geburtstag geschenkt bekommen. Seit ich denken kann, und das ist in diesem Fall schon sehr lange, schenken wir uns meistens Bücher, da wir beide so vernarrt ins Lesen sind. Manchmal sind es Bücher, die schön zu lesen sind, machmal Bücher die man nach dem Lesen gleich wieder aus dem Gedächtnis gelöscht hat. Dieses Buch hat es aber geschafft, sich in meinen Kopf einzubrennen, Emotionen auszulösen.

Eigentlich ein Jugendbuch, ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und Spiegel-Bestseller, eignet sich dieses Buch nicht nur für Jugendliche. Ganz im Gegenteil, egal ob Mann oder Frau, Jugendlicher oder Renter, dieses Buch sollte jeder einmal gelesen haben. Es greift so wunderbar und doch so schmerzlich real ein Thema auf, dass heutzutage kaum präsenter sein könnte: Anders sein!

Der Klappentext beschreibt eigentlich schon komplett den Inhalt des Buches. Dieser Inhalt ist aber so gehaltvoll, dass mir wirklich manchmal die Tränen in die Augen gestiegen sind. Ich das Buch kurz weglegen musste oder einfach auch nur herzhaft lachen konnte. Mit viel Gefühl und bitterer Wahrheit beschreibt Raquel J. Palacio die Geschichte von Auggie, einem Jungen der eigentlich ganz normal ist, wäre da nicht sein entstelltes Gesicht. Das macht ihn für Andere alles anders als normal. Das Buch erzählt seine Geschichte, seinen Kampf und natürlich auch den seiner Familie und Freunde. Denn nicht nur Auggie leidet unter dieser Fehlbildung, auch  für seine Schwester Via ist das Leben als Schwester eines „Monsters“ nicht einfach.

Das Buch nimmt immer wieder andere Perspektiven ein: die von Auggie, von Via, seinem Freund Jack oder seiner Freundin Summer. Jeder erzählt seine persönliche Geschichte, wie das Leben mit Auggie ist, welche Schwierigkeiten es gibt und mit welchen Gefühlen und Vorurteilen jeder zu kämpfen hat.

Ich wünschte, jeder Tag wäre Halloween. Wir könnten alle immerzu Masken tragen. Dann könnten wir uns in Ruhe kennenlernen, bevor wir zu sehen kriegen, wie wir unter den Masken aussehen. – Seite 92

Eigentlich normal, aber eben doch ganz anders

Das Thema birgt natürlich enorm viel Potenzial. Es regte mich immer wieder zum Nachdenke an. Dazu, zu überlegen warum das eigentlich so ist? Warum werden Menschen, die anders sind oft so radikal aus der Gesellschaft ausgeschlossen, ohne dass man sie überhaupt kennt? Auch Auggie begegnet genau solchen Vorurteilen. Mitschüler möchten mit ihm nichts zu tun haben, grenzen ihn aus. Böswillig und gemein. Doch zum Glück sind nicht alle Menschen so. Da gibt es auch noch die, die sich für ihr Gegenüber interessieren, und zwar für den Menschen, nicht sein Aussehen, seine Religion, seine Sexualität. Diese Menschen sehen, dass Auggie schlagfertig, witzig und sensibel ist. Sie behandeln ihn wie andere Kinder auch und bekommen dafür so viel von ihm zurück.

Geht es im Leben wirklich nur darum, Menschen nach ihrem Äußeren zu beurteilen? Fast wollte ich sagen zu verurteilen? Das Buch beantwortet genauso wie ich die Frage ganz klar mit NEIN. Es gibt einem ein wenig Menschlichkeit in einer Zeit wie heute, in der es immer öfter passiert, dass man Menschen in Schubladen schiebt, ohne sie überhaupt zu kennen. Es regt zum Nachdenken an, zum Überdenken von Handlungen. Liebe Raquel, bitte schenk uns noch mehr so Wunder, sie bereichern nicht nur mein Bücherregal, vielmehr bereichern sie uns Menschen und das Leben miteinander.

Postkarten-Maximen
August Pullmans Maxime
Jeder Mensch auf der Welt sollte zumindest ein Mal Standing Ovations bekommen, denn wir alle überwinden die Welt. – Seite 444

Fazit Wunder:
Wundervoll, emotional, zu Tränen rührend, Herz und Augen öffnend, mehr als zu empfehlen, ein wirkliches Meisterwerk der Literatur: 5 Sterne!

Bildquelle: http://www.buechernische-blog.de/