„Dein Kind muss mit 1 schon in die Kita?“

Es ist ja nicht so, dass man sich so oder so schon oft als Rabenmutter fühlt, wenn man sein Kind mit 1 schon 7 Stunden in die Kita schickt. Erschwerend kommen dann die ganzen Menschen im Umfeld dazu, die meinen einem noch sagen zu müssen, dass es schon ein wenig früh ist für so ein Kind in die Kita zu gehen. Ich durfte mir von sämtlichen Menschen, egal in welcher Beziehungen wir standen, anhören, ob das denn wirklich nötig sei. Der Nachbar, mit dem wir meist nicht mehr als hallo und tschüss reden, hat mir mit seiner Frage „Was, der kommt jetzt schon in die Kita????“ deutlich zu verstehen gegeben, wie er das findet. Auch Teile meiner Verwandschaft meinten mir sagen zu müssen, dass es doch schon ein wenig früh ist, sein Kind abzugeben.

Und täglich grüßt das Murmeltier

An machen Tagen hat es mich gewundert, dass nicht auch noch die Postbotin geklingelt hat, um mir mitzuteilen, wie doof sie das findet. Ich muss dazu sagen, wir wohnen in einem Dorf, da hat der Kindergarten morgens 4 Stunden und an 2 Nachmittagen nochmals 2 Stunden auf. Da werden die meisten Kinder bis 3 Jahr zu Hause betreut und die Mama arbeitet danach 50 % oder die Kinder sind nachmittags bei Oma und Opa.
Nachdem ich mich die ersten Male echt schlecht gefühlt habe, bin ich dazu übergegangen mich maßlos zu ärgern, wie sich die Menschen so ein anmaßendes Urteil erlauben können. Als mir auch das zuwider war, habe ich einfach irgendwann gefragt, ob sie mir nicht 1000 Euro im Monat überweisen würden, dann bleibe ich liebend gerne daheim.

Rechtzeitig nach der richtigen Kita suchen

Denn oft ist das keine Entscheidung die man bewusst trifft, ich würde behaupten in den meisten Fällen ist es eine Entscheidung, die das Leben für einen trifft. Bei mir war es so halb, halb. Dass ich nach einem Jahr wieder arbeiten gehen muss, war von Beginn an klar. Dass ich es möchte auch. Wie viel war lange offen. Klar, eigentlich so viel wie möglich. In Elternzeit ist die Obergrenze 30 Stunden die Woche. Nachdem wir uns schon während der Schwangerschaft um eine Einrichtung gekümmert haben, war auch schnell abzusehen, in welche Richtung die Arbeitsreise geht. Klar war, wir wollen Junior die beste Kita ermöglichen, die es gibt. Was wir auch, um das gleich mal vorwegzunehmen, geschafft haben. Uns war wichtig, dass er in eine reine Kleinkinder-Kita kommt, also wo nur Kinder von 1-3 sind. Schön und gemütlich sollte es sein, mit einem Garten und liebevollen Erzieherinnen. Dass wir jetzt sogar einen Erzieher haben und einen Schlüssel von 1/3,2 ist einfach nur wunderbar. Nachdem wir uns mit dem Konzept der Einrichtung befasst haben und in der Kita Mittagessen und Mittagsschlaf ganz klar zusammengehören, wurde uns schnell klar, dass wir Junior immer bis 14 Uhr dort lassen werden. Nachdem die Kita um 6:30 Uhr öffnet war dann auch schnell klar, dass es mir diese Kita ermöglicht, 30 Stunden die Woche zu arbeiten.

Vorteile liegen klar auf der Hand

Glaubt mir wenn ich sage, dass ich mich im Vorfeld intensiv mit dem Thema beschäftigt habe. Nicht nur habe ich alles gelesen, was ich zu diesem Thema in die Finger bekommen konnte. Auch habe ich mir die Kinder im Umfeld angeschaut. Für mich haben dann irgendwann die Vorteile überwogen. Wenn man ein gesundes Maß findet, die Kita nicht als eine Einrichtung sieht, wo man sein Kind gemütlich zwischen parken kann und die Erzieherinnen nicht nur Dienstleister sind, liegen für mich die Vorteile klar auf der Hand. Die Kinder lernen schon früh, was es heißt zu teilen, auf andere Acht zu geben, mit anderen Kindern zu spielen, streiten, sich liebhaben, sich durchzusetzen und auch anderen Menschen, nicht nur Mama und Papa zu vertrauen.

Junior liebt seine Kita

Von Anfang an. Wir hatten nicht einen Tag Probleme und unsere Eingewöhnung hat exakt 2 Tage gedauert. Er liebt seine Erzieherinnen/Erzieher, hat großes Vertrauen gefasst. Seit er in der Kita ist, passiert jeden Tag etwas Neues. Ob es trinken aus dem Becher (natürlich ganz ohne Hilfe), essen mit der Gabel, neue Ausrufe, neues Verständnis oder einfach nur grenzenlose Freude über seine Zeit in der Kita ist, Junior lernt jeden Tag dazu. Natürlich würde er das auch Zuhause machen, aber ich glaube nicht in dem Maß.

Auch wenn ich meine Bedenken hatte, ob das wirklich auch nicht zu früh ist, hatte ich vom ersten Tag an nie ein schlechtes Gefühl ihn dort zu lassen. Er hat es mir so wahnsinnig einfach gemacht in dem er mir gezeigt hat „Mama geh ruhig, ich bin hier sehr gut aufgehoben und mir gefällt es. Aber ich freue mich auch jetzt schon, wenn du mich später wieder abholst.“ Ja, Junior ist ein Engel und ich könnte kaum glücklicher sein, dass er es mir so einfach gemacht hat.

Es hat sich nichts verändert

Diesen Beitrag habe ich vor ca. 5 Monaten geschrieben. Da war alles noch neu und frisch, die Kita, meine Arbeit. Seither hat sich aber eigentlich nicht viel verändert. Natürlich gab es auch mal Tage, an denen Junior morgens nichts so Bock hatte in die Kita zu gehen. Da ging es ihm aber allgemein nicht so gut, ich sage nur die berühmten Phasen. Aber auch diese Tage haben wir gemeistert. Auch wenn im Kita-/Arbeitsalltag öfter mal Sachen passieren, die man so lieber nicht hätte, würde ich es nicht anders haben wollen. Ich bin froh, dass wir uns für dieses Model als Familie entschieden haben, es ist für alle eine Bereicherung. Ich kann Eltern die zögern nur darin bestärken: Probiert es aus, es ist super. Und lasst euch von den ganzen Leuten kein schlechtes Gewissen machen. Die haben vielleicht einfach keine eigenen spannenden Sachen zu berichten und müssen sich deshalb ins Leben anderer einmischen…

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