Spieglein, Spieglein an der Wand…

…wer ist die Schönste im ganzen Land?

Mein Spiegel antwortet mir zwar nie auf mehrmaliges Fragen hin, dass es Schneewittchen ist, aber er gibt mir deutliche Zeichen, dass ich es im Moment nicht bin. Wenn ich ein wenig mehr um die Ohren habe, zeigt mir das mein Spiegelbild oft schon bevor ich es bewusst merke. Das Sprichwort „Die Haut ist der Spiegel der Seele“ trifft bei mir den Nagel auf den Kopf. Seit ein paar Tagen ist mein Kinn ein einziger Pickel und der Rest vom Gesicht sieht auch nicht arg viel besser aus. Ich versuche morgens schon gar nicht mehr mit Brille in den Spiegel zu schauen, verschwommen kann ich die Pickel nicht so gut erkennen, was mich dann immer ein wenig wohlgesinnter stimmt. Nichtsdestotrotz weiß ich ja, dass sie da sind.

Mein Geschäft mit der Schönheit

Ich war noch nie eine krasse Schönheitsfanatikerin oder Beauty-Queen. Warum kann ich nicht sagen, ist halt so. Früher habe ich lediglich Mascara, Eyeliner und manchmal Lippenstift getragen. Und das eigentlich auch nur zum Weggehen oder arbeiten in der Kneipe. Vor Kurzem habe ich mir tatsächlich zum ersten Mal im Leben (und das mit fast 34) mein erstes Make-up gekauft. Eines morgens war ich so frustriert und habe mir gesagt, dass es so mit mir und meiner Haut nicht weitergehen kann. Und ich muss echt sagen, dass ich nach einem langen Beratungsgespräch beim DM, bei dem ich Make-up, Puder und Pinsel gekauft habe, mit dem Ergebnis echt sehr zufrieden bin. Mittlerweile brauche ich auch keine Ewigkeiten mehr, alles im Gesicht zu platzieren. Dennoch benötigt es Zeit, die ich morgens oftmals nicht investieren möchte. Davon mal abgesehen, bin ich direkt nach dem Aufstehen oft auch nicht in der Lage, mir überhaupt irgendeine Farbe ins Gesicht zu schmieren. Bin ja schon froh, wenn ich das Nötigste gebacken bekomme. Wer morgens (und damit meine ich, bevor ich zwei Tassen Kaffee intus habe) schon mal mit mir das Vergnügen hatte, weiß vielleicht wovon ich rede. Morgenmuffel ist manchmal noch nett ausgedrückt.

Deshalb bin ich mittlerweile sogar dazu übergegangen, mir am Vorabend meine Klamotten für den nächsten Tag rauszulegen. Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Ich habe einfach manchmal zu sehr Angst, dass ich mit einem karierten Hemd und einer gepunkteten Hose (natürlich nur bildlich gesprochen, weder das Eine noch das Andere findet sich in meinem Kleiderschrank) das Haus verlassen würde. Versteht sich dann also von selbst, dass ich mich nicht jeden Morgen in der Lage fühle, mir ein hübsches Gesicht aufzumalen. Oftmals bereue ich es dann, wenn ich im Geschäft einen Blick in den Spiegel werfe, aber oftmals ist es mir auch egal.

Auch Jogginghosen können schön sein

Ich gehöre auch zur Kategorie, die mit Jogginghose einkaufen geht und manchmal sogar in der Schlafanzughose den Müll rausbringt. Aber das tatsächlich auch nur, wenn es dunkel ist und ich mir fast sicher bin, dass mich niemand sieht. Ich trage verratze Schuhe und T-Shirts, die schon bessere Zeiten erlebt haben, genau aus einem Grund: sie sind bequem. Genau das ist das Motto meines Kleiderschranks: Bequem. Am Liebsten würde ich manchmal auch in Jogginghose zur Arbeit gehen. Getraut habe ich mich das natürlich noch nie. Diesen Luxus habe ich besonders in meinem Jahr in Elternzeit genoßen, einfach nur in bequemen Sachen rumzugammeln. Ich finde es tatsächlich oft sehr belastend, mir jeden Tag aufs Neue zu überlegen, was ich morgen wieder anziehen will bzw. soll. Es kostet mich oft zu viel wertvolle Zeit, die ich eigentlich nicht habe. Warum dieser ganze Wahn? Warum muss ich jeden Tag ein anderes Outfit tragen? Muss ich nicht! Ich arbeite zum Glück nicht in einer Bank, wäre für mich auch nie möglich gewesen, ich hasse Blazer. Somit kann ich doch tatsächlich so gehen, wie es mir angenehm ist. Jeans, T-Shirt und Turnschuhe. Mein absolutes Lieblingsoutfit und zwar fast jeden Tag.

Queen for one day

Manchmal überkommt es aber auch mich und ich packe meine Stiefel mit Absatz aus, lege Make-up auf und fühle mich einfach gut. Das brauche ich doch ab und an. Vielleicht auch um mich ein wenig weiblicher zu fühlen, keine Ahnung. Vom Beauty-Wahn und dem immer perfekten Aussehen habe ich jedenfalls schon sehr früh Abstand genommen. Und darum bin ich spätestens seit ich Mama bin, sehr froh. Den Druck, nach vielen durchwachten Nächten, noch gut aussehen zu müssen, den verspüre ich nicht. Ich habe mich damit abgefunden, dass meine Augenringe manchmal bis zum Boden hängen und Pickel sich sehr wohl bei mir fühlen. Für die Tage, an denen es mich doch belastet, habe ich nun mein Make-up und meinen neuen roten Lippenstift. Die leisten zusätzlich zum Concealer und dem Mascara eine wundervolle Arbeit. Außerdem habe ich auch eine Creme für mich entdeckt, die wirklich dafür sorgt, dass sich meine Haut wohler fühlt. Dazu aber später mehr.

Schönheit kommt von innen, oder?

Die einzige Stelle, wo man bei mir immer Farbe findet (zumindest im Sommer) sind meine Fußnägel. Das mag ich einfach. Ansonsten finde ich, dass Schönheit und Beauty oft auf die Produkte, die man benutzt, reduziert wird. Auf die Kleider, die man im Schrank hat. Aber geht es bei Schönheit nicht eigentlich darum, was man ausstrahlt? Wenn die Mundwinkel nach unten hängen, die Augen trübe sind, dann bringt auch das beste Make-up nichts!

Ich jedenfalls bleibe bei meinen Jogginghosen, den alten Shirts und den ausgelatschten Schuhen. Und mein Make-up bleibt mein Helfer in der Not, immer griffbereit im Badezimmerschrank.
Und wer weiß, vielleicht sagt mir ja mein Spiegel eines morgens mal: Sie, Frau Melanie, sind die Schönste im ganzen Land! Ich würde mich jedenfalls freuen.

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